etwas bewegen. Das animierte GIF als Dateiformat und Körper-Bilder

GIFs können als kurze Nachrichten die gesprochene oder geschriebene Kommunikation ergänzen, indem sie beispielsweise menschliche Stimmungen und Emotionen unterstreichen, die besser mit Bildern als mit Worten transportiert werden können. In allen Messenger-Programmen wie WhatsApp, Signal, Telegram etc., verwenden wir tanzende Katzen, blinkende Herzen oder rollende Augen. GIF-Datenbanken sind als eigene Eingabemöglichkeiten in viele Apps eingebettet.
Das folgende Konzept bringt Schüler*innen Hintergrundwissen zu dem von ihnen im Alltag genutzten Medium GIF näher und erkundet darüber hinaus das künstlerische Potenzial dieses Mediums in Form eigener GIFS zum Thema (menschlicher) Körper.

Dieser Beitrag ist Teil des Bundles "Digitale Bilder in Bewegung", herausgegeben von Sophie Lingg und Helena Schmidt.

Heute sind GIFS bekanntlich für die meisten Personen mit Smartphone und Social Media Accounts Teil ihrer täglichen Kommunikation. Das Projekt “etwas bewegen” möchte dazu beitragen, Wissenslücken über den Ursprung der GIF-Technologie und die heutige Kontextualisierung zu schließen, einen informierten Umgang mit Alltagsmedien zu fördern sowie deren künstlerisches Potenzial zu erkunden. Mittlerweile sind GIF-Datenbanken als eigene Eingabemöglichkeiten, neben der Buchstaben- bzw. Emoji-Tastatur, in alle Messenger-Programme eingebettet. Aber woher kommen sie denn eigentlich? GIFs (Abkürzung für Graphics Interchange Format) sind schon Mitte der 80er-Jahre entstanden und waren das erste digitale Bildformat, das durch eine verlustfreie Datenkompression die Übermittlung von Farbbildern im damals sehr langsamen Internet möglich machte.

Der Medienwissenschaftler Tilman Baumgärtel beschreibt im Band GIFS der Reihe Digitale Bildkulturen anschaulich, dass das Potenzial der GIF-Dateien von den Entwickler*innen selbst anfangs nicht erkannt wurde. Diese erstellten 1987 ein Format, mit dem es erstmals gelang, Bilddateien „auf allen zu dieser Zeit gängigen Computertypen darzustellen“ (Baumgärtel 2020: 7) und farbige Bilder mittels verlustfreier Kompression im frühen Internet übertragbar zu machen (vgl. ebd.: 16). Die Möglichkeit, mehrere Bilder in derselben Datei zu speichern und als kurze Animation wiederzugeben, war ursprünglich noch nicht mitgedacht und wurde ab den 90-Jahren in der digitalen Kommunikation praktiziert (vgl. Baumgärtel 2020: 8).

Das Künstlerinnenduo BIGLERWEIBEL nutzt die eigenen Körper, um mit Methoden der Montage Form und Materialität zu verändern. In Form von kurzen GIFs der Serie “Die fünfte Kolonne der Körper” erweitern sie so das vorherrschende Bild von weiblichen Körpern, wie sie in der Öffentlichkeit und auch im digitalen Diskurs vorherrschen und kommentieren diese Norm. In Bezug auf Körper und Gender im digitalen Raum und den sogenannten Netzfeminismus wird und wurde in den letzten Jahren viel geforscht. Visuelle und ästhetische Strategien, mit dem weiblichen Körper im digitalen Raum zu arbeiten, wurden im Band Netzfeminismus (Kohout 2019) ebenfalls aus der Reihe Digitale Bildkulturen analysiert.

A1 – A5 Videoprojektion, Internetzugang, Schüler*innen-Devices (Tablets, Smartphones)
A1: Bildanalyse / Formatanalyse:
Dateiformate: Überblick – Welche Formate kennst du (.docx, .pdf, .jpg)? Wann verwendest du welches Format?

A2: Bildanalyse / Formatanalyse:
GIF – Welches GIF verwendest du derzeit am allerliebsten? Beschreibe es mit Worten – wie sieht es aus? Was passiert? Was drückt das für dich aus? Wer in der Gruppe kennt dasselbe GIF?

Ein Leitfaden kann zur Beschreibung nützlich sein:
Beschreibe dein ausgewähltes GIF anhand des folgenden Leitfadens:

  • Mein ausgewähltes GIF habe ich das erste Mal … (wo?) gesehen.
  • Verwende ich, wenn …
  • Man findet es in der App … / auf der Website …
  • Zuerst sieht man …
  • Dann …
  • Die Animation endet mit …
  • Sie drückt für mich sehr stark folgende Stimmung aus: …
  • Die Bilder sind von Hand gezeichnet/Computergrafiken/Fotografien
  • Ich schätze, das GIF besteht aus … (Anzahl) Einzelbildern. Es dauert circa … Sekunden.
  • Ich kenne ähnliche GIFs, nämlich … / Ich kenne keine vergleichbaren GIFs.
  • Was ich noch dazu sagen wollte: …

A3: Bildanalyse / Formatanalyse:
GIF: Position in der Technik-Geschichte und unter den Bildformaten, historische und heutige Relevanz (Zusätzlich Anleitung, wie man ein GIF in Photoshop erstellt)
Die Merkmale eines GIFs (vgl. Kernen/Siegenthaler 2019: 9f.): Mischform aus Bild und Bewegtbild; Kompression: 256 Farben; ohne Ton; Loop; Extraktion von Erzählpartikeln; Fixierung auf Gesten

A4: Bildanalyse / Formatanalyse – Giphy-Datenbank
Analyse der Kategorien: Welche Kategorien enthält die Datenbank (funny, arts, comic, …)? Welche Kategorien könnte es sonst noch geben/welche Inhalte fehlen?
Analyse der Datenbank: Welche Inhalte enthält die Website sonst noch: Nutzungsbedingungen, Upload, Create etc.
Analyse der algorithmisch gefilterten Suchergebnisse: Hashtags

Hinweis: GIPHY gehört zu facebook, es ist also eine kommerzielle Datenbank mit fragwürdigen Datenschutz- und Urheberrechtsbestimmungen für die User*innen. Als weiteres Beispiel kann auch die Website „Know your meme“ besprochen werden, anhand derer gezeigt werden kann, welche Entwicklung Bilder im Internet nehmen (können) und wie aufmerksam User*innen mit Bildern daher umgehen sollten.

A5: Bildanalyse / Formatanalyse – Künstlerisches Beispiel zum animierten GIF: biglerweibel
Körpernormen, Körperbilder, Körperideale (im Internet)

Was unterscheidet diese Bilder von den Giphy-GIFs (selbst in der Rubrik „artists“)?
Warum irritieren sie unsere Sehgewohnheiten?
Worauf kommt es den Künstlerinnen an?

A6 Kopierpapier, div. Zeichenwerkzeuge, evtl. Leuchtpulte zum Abpausen oder am Fenster
A6: Gestalten
Inhalt: Lass in deiner Animation deine Hände eine unerwartete Veränderung durchmachen.
Ideensammlung: verbiegen, verlängern, verkleinern, bestimmte Geste formen, etwas greifen/fassen, …

Erstelle selbst ein animiertes GIF aus mehreren Bildern. Dies können selbst gemachte Fotos oder Zeichnungen sein (Exkurs: Urheber*innenrecht bei gefundenem/gegoogeltem Bildmaterial; Exkurs: Recht auf das eigene Bild).
Zeichnungen sind eine sehr niederschwellige Form des Zugangs. Arbeite hierbei mit dem Verfahren des Abpausens. Verwende Kopierpapier (kann im Kopiergerät rasch in Stapeln gescannt werden)!

Material A7 Scanner (idealerweise mit Einzug!) Internetzugang, PCs
A7: Fertigstellen – Upload der gescannten Einzelzeichnungen und Zusammenführen – GIFmaker z. B. im Browser oder mit Photoshop (Anleitung)

A8: Reflexion der entstandenen Arbeiten und der Auseinandersetzung mit dem Format – Wie ist dir dein Projekt gelungen? Was gefällt dir besonders? Was hast du dir gemerkt? Wo könnten wir die GIFs veröffentlichen? …

Je nach Gruppe können die Details der Aufgabenstellung angepasst werden. Die technische Leistung, selbst ein GIF zu erstellen, kann für die eine Gruppe ausreichen. Die bildhafte Auseinandersetzung mit Körpern und Körpernormen – wie in gemeinsam besprochenen Beispielen der Künstlerinnengruppe BIGLERWEIBEL ersichtlich – könnte bei einer fortgeschritteneren Gruppe darüber hinaus mehr in den Mittelpunkt rücken. Außerdem kann ein Schwerpunkt ‚Bildrecht‘ über die Plattform GIPHY und deren Anbindung an den Internetgiganten Facebook diskutiert werden bzw. können die Datenschutzbestimmungen und Nutzer*innenrichtlinien kritisch gelesen werden.

Die animierten GIFs der Künstlerinnen BIGLERWEIBEL zeigen einen künstlerischen Zugang zum GIF-Format: Jenseits der alltäglichen Nutzung von GIPHY (als eine kommerzielle GIF-Datenbank, derzeit im Besitz von facebook[1]) produzieren die Künstlerinnen Bilder, die zentrale Themen der Social Media Bildwelt ansprechen: Körpernormen, Körperteile und Performativität. Je nach Gruppenzusammensetzung kann mehr oder weniger Augenmerk auf den Aspekt der Selbstdarstellung in Relation zu den Arbeiten von biglerweibel gelegt werden.

Folgende Fragestellungen könnten hierbei hilfreich sein:

  • Was seht ihr euch für (menschliche) Körper im Internet an? Wen findet ihr cool? Wie sehen diese Personen aus?
  • Welche Idee von einem menschlichen Körper bekommt ihr durch diese Bilder?
  • Was denkt ihr, warum die Gruppe biglerweibel diese Art der Körperdarstellung gewählt hat? Welche Assoziationen lösen sie bei euch aus?

Für eine sprachsensible Differenzierung der Aufgabenstellung könnten ein Beschreibungsleitfaden oder ein Wortgeländer hilfreich sein (siehe A2).

[1] Die Plattform bezeichnet sich selbst als “home to the content making your conversations and stories more positive, more fun, and more you.” GIPHY funktioniert als Datenbank, deren Inhalte von Nutzer*innen gespeist werden. 2020 wurde die Datenbank vom Internetgiganten Facebook gekauft (400 000 000 US $) mit dem Plan, die direkte Verknüpfung mit den Facebook-Diensten, so auch Instagram, zu gewährleisten.

Bildanalyse / Formatanalyse
Anhand technischer und historischer Informationen, eigener Erfahrungen der Schüler*innen und künstlerischer Positionen wird das GIF-Format untersucht und auf seine gesellschaftlichen Funktionen hin geprüft. Beim weiteren Forschen können in diesem Zusammenhang die „frühesten digitalen Bildkulturen“ (Baumgärtel 2020: 19) untersucht werden, die Ursprünge einer heutigen stark visuellen digitalen Kultur.

Welche Bilder sehen die Schüler*innen besonders gerne?

Können Gemeinsamkeiten festgestellt werden? Weisen diese auf bestimmte Sehgewohnheiten hin? Gibt es Ausnahmen darin? Was wirkt anziehend, was langweilig, was verstörend?

Vorschläge zur Verwendung eines Beschreibungsleitfadens (siehe A2).

Gestalten
Eine animierte GIF-Datei wird mithilfe mehrerer Einzelbilder erstellt. Je nach Gruppe können die Details der Aufgabenstellung angepasst werden.

Reflexion
Die entstandenen Arbeiten werden in der Gruppe präsentiert, diskutiert und nach Möglichkeit veröffentlicht (z. B. auf der Website der Schule). Was konnten die Schüler*innen bezüglich des eigenen Medienverhaltens feststellen? In welchen vorgegeben medialen Strukturen bewegen wir uns? Welche Körperbilder herrschen darin vor? Welche Wege ermöglichen emanzipatorische Möglichkeiten in den digitalen visuellen Welten?

  • A1 – A5 PC, Videoprojektor, Internetzugang, Schüler*innen-Devices (Tablets, Smartphones)
  • A6 Kopierpapier, div. Zeichenwerkzeuge, ev. Leuchtpulte zum Abpausen oder am Fenster
  • A7 Scanner (idealerweise mit Einzug) Internetzugang, PCs
  • Schüler*innenarbeit, 5. Schulstufe, Gym 2, 2017, Animiertes GIF

Hinweise

In dieser Arbeit können weitere künstlerische Arbeiten mit GIFs gefunden werden:

GIF und KUNST

ZUR LEGITIMATION DES ABPAUSENS

SOCIAL MEDIA UND GENDER

LINKS

GLOSSAR

Max. Teilnehmer

30

Dauer

10 x 45 min

Erster Einsatzkontext

6. Schulstufe, 11-12 Jahre, Stockerau, Niederösterreich, Allgemeinbildende Höhere Schule

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